Wie das Fliegen nach Corona aussehen könnte

Bis auf wenige Heimkehrerflüge und Güterverbindungen findet man kaum Bewegung am Himmel zur Zeit. Über 90% weniger Passagiere und Flüge verzeichnen die deutschen Airports.

Aber spätestens ab Juli wird sich das wieder ändern. Dann fliegt nicht nur Lufthansa wieder deutlich mehr Verbindungen an, sondern auch Ryanair und easyjet starten wieder durch. Wenn auch mit angezogener Handbremse.

Denn das Fliegen wird wohl für längere Zeit nicht mehr so sein, wie wir es bis Ende 2019 kannten.

Wir haben euch die Punkte aufgelistet, die euch ab jetzt auf einer Flugreise begleiten. Wir stützen uns dabei auf Neuigkeiten, die Airlines und Behörden bekannt gegeben haben. Aber auch eigene Vermutungen. Denn 100% kann im Moment niemand vorhersagen, wie unsere Flugwelt Ende 2020 aussieht.

Kontaktlos durch den Flughafen

Automaten, die anhand biometrischer Merkmale die Identität eines Passagiers feststellen, gibt es schon länger. Zum Beispiel bei der Einreise aus Nicht-Schengen-Ländern.

In den USA wird an einigen Flughäfen auch das Boarding schon biometrisch gemacht. Statt Reise- und Boardingpass müsst ihr dort einfach nur kurz in die Kamera schauen.

Ähnliche Tests laufen auch schon in Europa. Man spart gegenüber dem manuellen Abgleich der Flugdaten mit dem Pass eine Menge Zeit und vor allem funktioniert es kontaktlos.

Innerhalb des Schengenraums sind auch an vielen Flughäfen die Gates mit Scannern ausgerüstet, auf die ihr den Barcode des Boardingpasses hält. Rechtlich verpflichtend ist der Namensabgleich ohnehin nicht, sondern wird von vielen Billigfluggesellschaften nur gemacht, um die Weitergabe von Tickets zu verhindern. Eventuell wird man dann in Zukunft auch bei Ryanair & Co. durch solche automatischen Gates gehen und den Pass oder Ausweis nur noch vorzeigen.

Kontaktlos durch die Sicherheitskontrolle ist dagegen eher Theorie. Selbst bei den neueren Scannern muss regelmäßig manueller Check erfolgen. Sei es am Körper oder in den Tiefen des Handgepäckstrolleys. Vermutlich wird man aber noch intensiver darauf drängen und achten, dass Gürtel oder Uhren abgenommen werden, um die Zahl der Nachkontrollen auf ein Minimum zu reduzieren.

Temperaturcheck und Coronatest

Fieber gehört zu den häufigsten, vor allem aber am einfachsten festzustellenden Symptomen einer Coronavirus-Erkrankung. Entsprechend wurden bereits im Februar an vielen Flughäfen weltweit Temperaturmessungen durchgeführt. Da der Aufwand verhältnismäßig gering ist, werden uns diese wohl noch eine Weile begleiten.

Inzwischen ist aber eben auch bekannt, dass die Ansteckungsgefahr schon vor Ausbruch der Krankheit besteht. Und dass viele gar keine Symptome haben, zumindest aber kein Fieber.

Deswegen setzen viele Länder inzwischen auf Coronatests in ihren Szenarien für Grenz- und Flughafenöffnungen. Testgeräte sind inzwischen reichlich vorhanden, das Ergebnis liegt zumindest innerhalb weniger Stunden vor.

Die Zukunft wird aber mehr in Soforttests liegen, bei denen kein Labor nötig ist und man das Ergebnis in wenigen Minuten oder sogar Sekunden erhält, ähnlich wie bei Sprengstoff- oder Drogentests. Spannend wird, wer die Kosten dafür übernimmt und ob Zwangstests von einer Mehrheit der Reisenden als notwendiges Übel akzeptiert werden.

Gesundheitspass

Die Alternative zu Coronatests am Flughafen ist der Gesundheitspass, der von vielen Ländern bevorzugt wird. Ähnlich einem Impfpass könnten Reisende damit nachweisen, dass sie beim letzten Test kein Virus in sich trugen. Auch Immunität oder später Impfschutz könnte so bewiesen werden.

Die große Frage ist natürlich, wie man sicherstellt, dass zwischen dem letzten Test und dem Flug keine Ansteckung erfolgt ist. Je kürzer man diesen Zeitraum legt, desto näher kommt man an die vorherige Option, den Test direkt vor dem Abflug zu machen.

Pässe dieser Art sind in der Regel auch nicht sehr fälschungssicher, wenn der Eintrag nicht digital erfolgt. Der Aufwand und die möglichen Kosten dafür wären recht hoch, weswegen wir noch nicht so richtig daran glauben, dass sich der Pass durchsetzen wird.

Wartezeiten auf dem Flughafen

Höchstwahrscheinlich wird es in Zukunft nicht mehr reichen, eine knappe Stunde vor dem Abflug am Airport zu sein. Check-in, Sicherheits- und Passkontrolle, Boarding, alles wird etwas länger dauern, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Das lässt sich jetzt schon beobachten, aber die meisten Flughäfen sind im Moment zu nicht mal 10% ausgelastet. Um so mehr Flüge wieder hinzukommen, desto länger werden die Wartezeiten. Zumal sich aufgrund der baulichen Gegebenheiten und finanziellen Rahmenbedingungen kaum eine Flughafengesellschaft dazu durchringen wird, mehr Schalter anzubieten.

Plant also genügend Zeit ein, denn auch das klassische Vordrängeln, wie man es bisher nicht selten erlebt hat, wird wohl zu viel Missfallen und im schlimmsten Fall der Konsequenz führen, dass man den Flieger verpasst.

Maskenpflicht

Nahezu alle Fluggesellschaften haben bereits eine Maskenpflicht an Bord eingeführt oder planen sie, wenn es demnächst wieder los geht. Die Ansteckungsgefahr im Flieger soll zwar aufgrund der vertikalen Luftströmungen aus der Klimaanlage recht gering sein, selbst wenn alle Plätze belegt sind.

Die größte Ansteckungsgefahr besteht aber immer noch durch Tröpfchen, die beim Husten, Niesen, Sprechen und wohl auch Atmen entweichen und sich länger als man glaubt in der Luft halten.

Die Maske schützt also nicht euch vor der Ansteckung anderer, sondern andere vor der Ansteckung durch euch. Und da viele Ansteckungen und Verläufe gerade bei jungen Leuten nun einmal ohne Symptome vonstatten gehen, sollte es darüber auch keine Diskussion geben.

Auch wenn es für einen Langstreckenflug anstrengend klingt, können wir aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich recht schnell daran gewöhnt, wenn man die Maske erst einmal akzeptiert hat. Deswegen solltet ihr sie auch schon spätestens beim Boarding aufsetzen.

Neue Boarding-Regeln

Die Zeiten, als Statusinhaber als erstes und die Besitzer von Basic Economy Superlight-Tickets als letztes einsteigen durften, könnten bald vorbei sein. Abgesehen davon, dass dieser Prozess ohnehin nicht sehr effizient, sondern nur ein Hofieren der Vielflieger ist, werden sich einige Airlines sicher Gedanken machen, wie man sowohl die Abstandsregeln gut einhalten als auch das Boarding an sich weiterhin schnell über die Bühne bringen kann.

Denn nicht nur die Billigflieger, sondern zunehmend auch die etablierten Gesellschaften haben erkannt, dass jede Standminute Kosten bringt und kein Geld einspielt. Ob Ryanair die berühmten 25 Minuten am Boden weiterhin halten kann, ist sicher zu bezweifeln. Aber viel länger als eine halbe Stunde sollte es auch weiterhin nicht dauern. Denn die Slots auf vielen Flughäfen sind inzwischen auch für kurze Umsteigeverbindungen optimiert.

Sehr wahrscheinlich wird es deutlich mehr Boarding-Gruppen geben als bisher, wie man es von den Inlandsflügen in den USA zum Beispiel kennt. Von dort kann man sich auch gut abschauen, dass der ganze Vorgang schnell und geordnet von sich geht, wenn jeder so lange sitzen bleibt, bis die eigene Boarding-Gruppe aufgerufen wird.

Häufige Desinfektion

Vielleicht habt ihr schon einmal mitbekommen, wie bei der Landung auf bestimmten Flughäfen die Crew kurz vor Ankunft ein Spray in die Lüftungen gesprüht hat.

Ganz neu ist das Thema Desinfektion also nicht, bisher ging es dabei aber eher um die Übertragung von Schädlingen und Bakterien in Pflanzen oder Tierprodukten.

Aber wir werden uns daran gewöhnen müssen, regelmäßig die Hände zu desinfizieren. Statt einem warmen Waschlappen gibt es dann vermutlich ein Tuch mit Desinfektionsmittel. Vielleicht schafft es auch eine Flasche in die Amenity Kits der Business und First Class.

Auf den Flughäfen sind die Frequenzen ohnehin schon erhöht wurden, einige asiatische Airports experimentieren sogar mit Desinfektionsrobotern gerade an den sensiblen Orten.

Toiletten im Flieger

Womit wir auch schon beim Thema sind. Toiletten auf dem Flughafen sind gar nicht das größte Problem. Meist gibt es genügend davon, sie sind recht großräumig und in der Regel auch sauber.

Anders sieht es dagegen an Bord aus, wo sich oft lange Schlangen bilden und die Abstände zu anderen Passagieren massiv unterschritten werden.

Ryanair will das Problem lösen, indem man sich wie in der Schule melden muss, bevor man aufs Klo darf. Es darf durchaus bezweifelt werden, ob sich das Prinzip durchsetzt. Aber mit bestimmten Einschränkungen wird man wohl rechnen müssen, schon allein, weil die Toiletten deutlich häufiger gesäubert und desinfiziert werden.

Verpflegung an Bord

Neben der Maskenpflicht ist die eingeschränkte Verpflegung an Bord wohl der größte Unterschied in der neuen Normalität. Auf den Kurzstrecken gibt es nur abgepackte Snacks und eine Flasche Wasser. Wie genau die Verpflegung auf der Langstrecke aussehen wird, muss sich noch zeigen.

Fest steht aber wohl, dass selbst in der Business und First Class bis auf weiteres kein 3-Gänge-Menü mehr aufgetischt wird. Auch die Selbstbedienungsbüffets, die es bei einigen Fluglinien gab, dürften erst einmal der Vergangenheit angehören.

Ob und wann es wieder Alkohol gibt, ist eine weitere, für manche sehr wichtige Frage. Wobei viele Airlines sicher nicht so traurig darüber sind, dass die Passagiere nüchtern bleiben.

Dennoch wird es mittelfristig noch schwer für die Langstreckengesellschaften, die hohen Aufpreise für die Premium-Klassen zu rechtfertigen, wenn der Unterschied zur Economy nur noch der bessere Sitzabstand ist. Denn für viele gehört der Gourmet-Teil einfach dazu.

Sitzplatzdesign im Flieger

Viele von euch haben sicher die ersten Entwürfe gesehen, bei denen zwischen den einzelnen Plätzen eine Plexiglasscheibe verläuft und der Mittelplatz rückwärts gerichtet ist.

Vergesst es einfach. Keine Fluggesellschaft der Welt kann es sich leisten, ihre Flieger damit auszustatten. Zumal es ohnehin nur temporär für ein bis zwei Jahre wäre. Und wie oben erwähnt die Ansteckungsgefahr gerade mit Maske eher gering ist.

Etwas anders schaut es vielleicht bei Business und First Class aus. Die arabischen Fluglinien machen vor, dass eine eigene, abgeschottete Kabine nicht komplett aus der Luft gezaubert ist.

Bedenkt man, dass viele Firmen in den letzten Wochen gelernt haben, dass man auch ohne persönliche Treffen ganz gut arbeiten kann, wäre es schon denkbar, dass die Premium-Klassen im Flieger noch einmal aufgewertet werden müssen, um genügend Geschäftsleute zu finden, die bereit sind, den hohen Preis dafür zu zahlen.

Vielleicht verabschiedet man sich aber auch vom gerade erst entstandenen Vierklassensystem. Die First Class verschwindet wie ohnehin schon bei vielen Airlines, dafür wird die Business Class, wo noch nicht geschehen, deutlich aufgewertet mit mehr Privatssphäre und so dass jeder Platz direkt am Gang ist. Also die klassische 1-2-1 Konfiguration.

Genauso könnte die Premium Economy, die oft bisher einfach nur ein bisschen mehr Beinfreiheit aufweist, so ausgebaut werden, dass man flach liegen kann. Denn das ist für viele das entscheidende Kriterium zur Buchung eines Premiumtarifs.

Und in der Economy bleibt natürlich alles wie es ist.

Steigende Flugpreise

Hier sind sich die Experten absolut uneinig. Und ehrlich gesagt ist es auch unmöglich zum jetzigen Stand eine Prognose abzugeben.

Sehr wahrscheinlich werden die Airlines gezwungen sein, die Preise zu erhöhen, um zusätzliche Kosten wieder einzuspielen. Außerdem werden gerade am Anfang viele Flieger nur halbvoll unterwegs sein.

Auf vielen Strecken gibt es auch Monopole, gerade wenn im weiteren Verlauf noch einige Airlines in die Insolvenz müssen. Und nicht zuletzt müssen auch die Kredite zurückgezahlt werden.

Dem gegenüber steht aber, dass zumindest Stand heute noch keine große Fluggesellschaft pleite gegangen ist. Hinter vielen Airlines stehen mehr oder weniger direkt Staaten, die finanzielle Hilfen bereitstellen. Die Konkurrenzsituation ist vor allem auf den lukrativen Strecken nach wie vor sehr groß.

Hinzu kommt, dass Billigfluggesellschaften wie Ryanair, easyjet und Wizz Air wohl Preise unter 10€ als Werbemittel nach dem Neustart nutzen werden. Ohne Gepäck und Verpflegung sowie in den letzten Jahren stark entwerteten Vielfliegerprogrammen haben die Netzwerk-Carrier im Europa-Verkehr kaum etwas entgegen zu setzen, das große Preisunterschiede rechtfertigen würde.

Unsere Vermutung: Es wird preislich so bleiben, wie es in den letzten 5 Jahren auch war. Je exklusiver eine Strecke, desto höher liegen die Preise. Und auch in Zukunft werden sich die Airlines mit verrückten Preisen im jeweils anderen Markt, Lufthansa also mit Abflug zum Beispiel in Amsterdam, gegenseitig unterbieten.

Und dann gilt die klassische Faustregel: Je flexibler ihr terminlich um beim Abflughafen seid, desto günstiger könnt ihr fliegen. Wer an einem bestimmten Tag und vom Airport vor der Haustür fliegen will, muss zahlen, was die Fluggesellschaften verlangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.