Preisfehler & Error Fares bei Hotels: Warum ihr bei der Buchung nur eure wertvolle Zeit verschwendet

Wer regelmäßig die selbst ernannten Reiseschnäppchenportale verfolgt, dem ist sicher aktuell eine Häufung von Hotel-Preisfehlern aufgefallen, die dort massiv promotet werden. Wir haben die vermeintlichen Deals etwas genauer unter die Lupe genommen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um reine Zeitverschwendung handelt. Warum erklären wir euch hier im Artikel.

Preisfehler / Error Fares bei Flügen und Hotels im Vergleich

Gleich vornweg gesagt, wir wollen hier nicht als Moralapostel auftreten. Wir sind mit Preisfehlern bei Flügen – oft auch einfach nur Error Fare genannt – schon für 30€ nach Südamerika geflogen, für 100€ nach Japan gedüst und für 350€ in Honolulu gewesen.

Aber Preisfehler bei Flügen besonders in der Economy werden so gut wie immer von den Fluggesellschaften honoriert. Seit es auch auf der Langstrecke Tarife ohne Gepäck und Billigfluggesellschaften gibt, fallen sie teilweise nicht mal mehr auf. Denn für etwa 200€ könnt ihr schon seit Monaten USA-Flüge aus Europa buchen. Selbst mit Lufthansa geht es oft zum regulären Preis von etwa 300€ nach Thailand oder Singapur, wenn ihr in Amsterdam, Paris oder Luxemburg startet statt in Frankfurt oder Düsseldorf.

Der wichtigste Grund für die hohe Erfolgsquote bei Flügen ist das E-Ticket. Dieses wird in wenigen Minuten nach der Buchung so gut wie immer vollautomatisiert ausgestellt und in international standardisierten, von der jeweiligen Fluggesellschaft unabhängigen, Buchungssystemen hinterlegt. Eine manuelle Prüfung und damit mögliche Anfechtung findet nur in Extremfällen statt. Denn unter den zehntausenden täglichen Buchungen muss ein Preisfehler überhaupt erst einmal auffallen. Und der personelle Aufwand, die Buchungen herauszufiltern, zu stornieren und die Kosten zurückzuerstatten ist oft größer als der mögliche Schaden.

Bei Hotelbuchungen ist das anders. Die Anzahl täglicher Buchungseingänge ist für den Hotelier oder das Management überschaubar. Wenn Preisfehler im Buchungssystem auftauchen, werden sie recht fix auf den großen Schnäppchenportalen mit ihrer hoher Reichweite veröffentlicht und es kommt zu hunderten, teilweise tausenden Buchungen innerhalb weniger Stunden. Lange unentdeckt bleiben sie also nicht.

Hinzu kommt, dass statt ein oder zwei internationalen Buchungssystemen wie bei Flügen, hunderte Systeme für Hotelreservierungen weltweit im Einsatz sind. Die Buchungen können sich nicht in der Masse „verstecken“. Statt einem international standardisierten Ticket wird meist nur eine hotel(ketten)-interne Reservierung angelegt, die man als Gast oft nicht direkt beim Hotel prüfen kann, falls die Buchung nicht direkt über deren Website erfolgt ist.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die Bezahlung. Flugtickets müssen sofort bezahlt werden, die Angestellten beim Check-in oder Boarding sehen den Preis für das Ticket gar nicht. Hat man dagegen eine Hotelreservierung, die erst vor Ort zu zahlen ist, stolpern die Angestellten spätestens dann über einen absurd günstigen Preis und werden im Normalfall das Management zur Rückbestätigung fragen.

Erfahrungsgemäß werdet ihr in solchen Fällen vor die Wahl gestellt, die Differenz zum regulären (Tages)preis nachzuzahlen oder nicht einchecken zu können. Die Erfolgsaussichten, rechtlich erfolgreich dagegen vorzugehen, sind vor allem im Ausland sehr gering. Diskussionen an der Rezeption enden regelmäßig damit, dass das Hotel von seinem Hausrecht Gebrauch macht und ihr euch eine andere Bleibe suchen müsst.

Wann ihr gute Chancen auf Anerkennung des falschen Preises habt und wie die rechtliche Situation ist

Die einzige kleine Erfolgschance für die Nutzung von Preisfehler bei Hotels besteht dann, wenn die Reservierung und Bezahlung über ein Vermittlungsportal läuft. Denn in dem Fall wird euch ein Voucher ausgestellt oder die Reservierung für das Hotel als bereits „bezahlt“ hinterlegt.

Zu früh freuen sollte man sich aber auch hier nicht. Selbst eine Buchungsbestätigung mit bezahlter Rechnung bedeutet keine 100% Sicherheit. Nach deutschem Recht kann ein Vertrag wegen offensichtlichen Preisirrtums auch nachträglich angefochten werden. Gerade bei Preisfehlern, die von den Schnäppchenportalen veröffentlicht wurden, passiert das so gut wie immer, da es eben schnell auffällt und der Schaden hoch ist. Die meisten Portale haben inzwischen auch Überwachungssysteme installiert, die bei überdurchschnittlich vielen Buchungen Alarm schlagen.

Da zwischen Buchung und Anreise in der Regel Wochen oder sogar Monate liegen, bleibt genügend Zeit für Hotel und Vermittler die Buchungen rauszufiltern und zu stornieren. Und leider passiert es sogar regelmäßig, dass die Buchungen nur intern zwischen Vermittler und Hotel storniert werden, ihr als Kunde aber vor der Anreise gar nichts davon erfahrt. An der Rezeption wird man euch dann nur an den Vermittler verweisen, der aber natürlich auch nicht viel mehr macht als euch im besten Fall das Geld zu erstatten.

In den Kommentaren zu solchen Preisfehlern liest man immer wieder von wütenden Kunden, die damit drohen einen Anwalt einzuschalten. Erfolgreiche Gerichtsurteile zu Gunsten des Reisenden sind uns aber nicht bekannt. Bei Preisen von unter 10€ für ein 4* Hotel ist es natürlich nicht einfach, einem Richter glaubhaft darzulegen, dass man nicht wusste, dass es sich um einen Preisfehler handelt. Allenfalls bei nicht erfolgter Information zur Stornierung besteht die Chance auf Schadenersatz bzw. Anspruch auf den ursprünglich gebuchten Preis, solltet ihr vor Ort zur Zahlung des Normaltarifs gezwungen worden sein.

Warum nicht jeder Preisfehler ein fehlerhafter Preis ist

Nicht selten werden euch übrigens auch Preisfehler vorgegaukelt, die Recherche der selbst ernannten Schnäppchenredakteure lässt da teilweise sehr zu wünschen übrig. So haben inzwischen viele Hotelportale auch Apartments und Gästehäuser im Angebot, die sich einfach selbst Sterne vergeben. Statt einem 5* Luxushotel erwartet euch dann ein selbst ernanntes 5* Gästehaus, was gerade in Asien nicht selten vorkommt.

Der vermeintliche Preisfehler erweist sich also als reguläres Sonderangebot im Ramadan oder zur Monsunzeit. Einige Hotels bieten ihre Zimmer in der Saure-Gurken-Saison auch fast zum Nulltarif an. Denn sie wissen, dass es in der Umgebung keine geöffneten Restaurants gibt und die Gäste gezwungen sind, sich im Hotel zu dann natürlich völlig landesuntypischen Preisen zu verpflegen.

Um es also zusammenzufassen: Ihr spart euch viel wertvolle Zeit, Nerven und oft auch Geld, wenn ihr Hotel-Preisfehler einfach ignoriert. Gerade wer langfristig plant, findet unzählige reguläre Promos und Sonderangebote, bei denen ihr genügend Zeit habt zu schauen, ob es überhaupt passende Flüge gibt, ob die Jahreszeit passt, ob die Lage ok ist, wie die Bewertungen ausfallen usw.

Und ganz zum Schluss müssen wir doch noch einmal an euer Gewissen appellieren: Gerade für kleine, familiäre Hotels sind Preisfehler und daraus resultierend hunderte Buchungen ein großes Problem. Die Reservierungen blockieren viele Zimmer, die am Ende sowieso storniert werden, für den regulären Verkauf. Das Stornieren, der Kontakt zu den Kunden oder zum Vermittlungsportale kostet hohen personellen Aufwand. Nicht selten gibt es auch vertragliche Regelungen mit den großen Vermittlungsportalen, die ab einer bestimmten Stornoquote zum Nachteil für das Hotel werden können. Was also auf den Schnäppchenportalen gern zum Freizeitspaß und zur Jagd auf Angebote erklärt wird, führt bei vielen Hotels schnell zum bitteren Ernst.


Wenn ihr nicht wisst, ob ihr einen Preisfehler gebucht habt

Solltet ihr ein Angebot gebucht haben, bei dem ihr euch nicht sicher seid, ob es sich um einen Preisfehler handelt und ob die Buchung ordnungsgemäß im Hotel hinterlegt ist, empfehlen wir, die Unterkunft etwa ein bis zwei Wochen vor Anreise unter einem Vorwand zu kontaktieren, der einen Blick in die Reservierung erfordert, ohne direkt sich direkt auf den Preis zu fokussieren.

Möglich sind zum Beispiel die Anfrage nach einem Flughafentransfer, einem Zustellbett, frühem Check-in, einer besonderen Bettenkonfiguration, einem Upgrade oder ähnlichem. Im Normalfall wird euch das Hotel dann darauf hinweisen, sollte es Probleme mit der Buchung geben und ihr habt noch genügend Zeit euch zu überlegen, wie ihr damit umgeht.

Preisfehler bei Pauschalreisen und Eigenanreise-Hotels über Veranstalter

Ein Spezialfall sind übrigens Hotelbuchungen im Rahmen einer Pauschalreise oder als Eigenanreise über die klassischen Veranstalter wie TUI. Denn hier findet so gut wie immer eine manuelle Prüfung der eingegangenen Buchungen zum Beispiel in einem sogenannten Fulfillment-Center statt.

Nach der Buchung erhaltet ihr meist nur eine verbindliche Buchungseingangsbestätigung. Verbindlich ist damit aber nur euer Reservierungsauftrag. Erst mit der Bestätigung und Rechnung, die erst viele Stunden, teilweise Tage später kommt, gilt die Buchung als rechtlich bestätigt. Die meisten Preisfehler werden auch bereits in dieser Phase enttarnt, so dass gar kein gültiger Vertrag zustande gekommen ist.

Sollte eure Buchung durchrutschen und bestätigt werden, kann diese aber auch weiterhin nachträglich angefochten werden. Die Veranstalter machen sich die Sache oft recht einfach und verweisen auf einen Preisirrtum. In der Praxis geben daraufhin auch die meisten Kunden auf.

Zumindest in der Theorie unterscheiden die Gerichte aber zwischen Eingabe- und Kalkulationsirrtum, wobei die Übergänge in der Praxis fließend sein können. Bei einem Kalkulationsirrtum fallen die Urteile bisher eher zu Gunsten der Kunden aus. Allerdings müsst ihr bzw. euer Anwalt den Nachweis dafür erbringen und nach ersten Niederlagen vor Gericht stellen sich die Veranstalter auch nicht mehr allzu blauäugig an. Zudem spielt im Verfahren oft auch eine Rolle, ob die Kunden den Preisirrtum erkennen konnten, womit zumindest die ganz krassen Fehler eher kaum durchsetzbar sind. Wenn ihr also eine Klage anstrebt, solltet ihr gute Argumente und im besten Fall eine Rechtschutzversicherung mitbringen.


4 thoughts on “Preisfehler & Error Fares bei Hotels: Warum ihr bei der Buchung nur eure wertvolle Zeit verschwendet

  1. Gut zu wissen, dass man seine Zeit verschwendet, wenn es darum geht, ein Hotel zu buchen. Das mit der Promotion ist mir auch schon aufgefallen. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es sich um Hotel-Preisfehler handelt.

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag über die Buchung von Hotels. Gut zu wissen, dass Preisfehler bei Hotels nicht lange unentdeckt bleiben. Ich wollte eine Auszeit in einem Luxushotel buchen und bin durch Zufall auf diesen sehr interessanten Artikel gestoßen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.