Hotel-Preisfehler: Warum ihr bei der Buchung nur eure wertvolle Zeit verschwendet

Adventskalender 15/2020

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Wer regelmäßig die selbst ernannten Reiseschnäppchenportale verfolgt, dem ist sicher aktuell eine Häufung von Hotel-Preisfehlern aufgefallen, die dort massiv promotet werden. Wir haben die vermeintlichen Deals etwas genauer unter die Lupe genommen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um reine Zeitverschwendung handelt. Warum erklären wir euch unten.

Denn gleich vornweg gesagt, wir wollen hier nicht als Moralapostel auftreten. Wir sind mit Preisfehlern bei Flügen – oft Error Fare genannt – schon für 30€ nach Südamerika geflogen, für 100€ nach Japan gedüst und für 350€ in Honolulu gewesen.

Aber Preisfehler bei Flügen besonders in der Economy werden so gut wie immer von den Fluggesellschaften honoriert. Seit es auch auf der Langstrecke Tarife ohne Gepäck gibt, fallen sie teilweise nicht mal mehr auf. Denn für unter 200€ könnt ihr schon seit Monaten USA-Flüge aus Europa buchen. Selbst mit Lufthansa geht es zum regulären Preis von etwa 300€ nach Thailand oder Singapur, wenn ihr in Amsterdam startet statt in Düsseldorf.

Der wichtigste Grund für die hohe Erfolgsquote bei Flügen ist aber das E-Ticket. Dieses wird in wenigen Minuten nach der Buchung in der Regel vollautomatisiert ausgestellt und in international standardisierten, von der jeweiligen Fluggesellschaft unabhängigen Buchungssystemen hinterlegt. Eine manuelle Prüfung und damit mögliche Anfechtung findet nur in Extremfällen statt. Denn unter den zehntausenden täglichen Buchungen muss ein Preisfehler überhaupt erst einmal auffallen. Und der personelle Aufwand, die Buchungen herauszufiltern, zu stornieren und die Kosten zurückzuerstatten ist oft größer als der mögliche Schaden.

Bei Hotelbuchungen ist das anders. Die Anzahl täglicher Buchungseingänge ist für den Hotelier oder das Management überschaubar. Wenn Preisfehler in den Buchungssystem auftauchen, werden sie auf den großen Schnäppchenportalen veröffentlicht und es kommt zu hunderten, teilweise tausenden Buchungen innerhalb weniger Stunden. Lange unentdeckt bleiben sie also nicht.

Hinzu kommt, dass statt ein oder zwei internationalen Buchungssystemen wie bei Flügen hunderte Systeme für Hotelreservierungen weltweit im Einsatz sind. Die Buchungen können sich nicht in der Masse „verstecken“, statt einem international standardisierten Ticket wird nur eine hotel(ketten)-interne Reservierung angelegt, die man als Gast oft nicht einmal einsehen kann, falls die Buchung nicht direkt über das Hotel erfolgt ist.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die Bezahlung. Flugtickets müssen in der Regel sofort bezahlt werden, die Angestellten beim Check-in oder Boarding sehen den Preis für das Ticket gar nicht. Hat man dagegen eine Hotelreservierung, die erst vor Ort zu zahlen ist, stolpern die Angestellten spätestens dann über einen absurd günstigen Preis und werden im Normalfall das Management zur Rückbestätigung fragen.

Erfahrungsgemäß werdet ihr in solchen Fällen vor die Wahl gestellt, die Differenz zum regulären (Tages)preis nachzuzahlen oder nicht einchecken zu können. Die Erfolgsaussichten, rechtlich erfolgreich dagegen vorzugehen, sind vor allem im Ausland sehr gering. Diskussionen an der Rezeption enden regelmäßig damit, dass das Hotel von seinem Hausrecht Gebrauch macht und ihr euch eine andere Bleibe suchen müsst.

Die einzige kleine Erfolgschance für die Nutzung von Preisfehler bei Hotels besteht dann, wenn die Reservierung und Bezahlung über ein Vermittlungsportal läuft. Denn in dem Fall wird euch ein Voucher ausgestellt oder die Reservierung für das Hotel als „bezahlt“ hinterlegt.

Zu früh freuen sollte man sich aber auch hier nicht. Selbst eine Buchungsbestätigung mit bezahlter Rechnung bedeutet keine Sicherheit. Nach deutschem Recht kann ein Vertrag wegen offensichtlichen Preisirrtums auch nachträglich nach Bekanntwerden angefochten werden. Gerade bei Preisfehlern, die von den Schnäppchenportalen veröffentlicht wurden, passiert das so gut wie immer, da es eben schnell auffällt, wenn viele Buchungen für das gleiche Hotel in kurzer Zeit reinkommen. Die meisten Portale haben inzwischen auch Überwachungssysteme installiert, die bei überdurchschnittlich vielen Buchungen Alarm schlagen.

Da zwischen Buchung und Anreise in der Regel Wochen oder sogar Monate liegen, bleibt genügend Zeit für Hotel und Vermittler die Buchungen rauszufiltern und zu stornieren. Und leider passiert es sogar regelmäßig, dass die Buchungen nur intern storniert werden, ihr als Kunde aber vor der Anreise gar nichts davon erfahrt. An der Rezeption wird man euch dann nur an den Vermittler verweisen, der aber natürlich auch nicht viel mehr macht als euch das Geld zu erstatten.

In den Kommentaren zu solchen Preisfehlern liest man immer wieder von wütenden Kunden, die damit drohen einen Anwalt einzuschalten. Erfolgreiche Gerichtsurteile zu Gunsten des Kunden sind uns aber nicht bekannt. Bei Preisen von unter 10€ für ein 4* Hotel ist es natürlich nicht einfach einem Richter glaubhaft darzulegen, dass man nicht wusste, dass es sich um einen Preisfehler handelt.

Nicht selten werden euch übrigens auch Preisfehler vorgegaukelt, die Recherche der Schnäppchenredakteure lässt da teilweise etwas zu wünschen übrig. So haben inzwischen viele Hotelportale auch Apartements und Gästehäuser im Angebot, die sich einfach selbst Sterne vergeben. Statt einem 5* Luxushotel erwartet euch dann ein selbst ernanntes 5* Gästehaus. Nicht selten entpuppt sich der vermeintliche Preisfehler auch als reguläres Sonderangebot im Ramadan oder zur Monsunzeit. Einige Hotels bieten ihre Zimmer in der Saure-Gurken-Zeit auch fast zum Nulltarif an. Weil sie wissen, dass es umliegend keine (offenen) Restaurants gibt und die Gäste gezwungen sind, sich im Hotel zu landesuntypischen Preisen zu verpflegen.

Um es also zusammenzufassen: Ihr spart euch viel wertvolle Zeit, Nerven und oft auch Geld, wenn ihr Hotel-Preisfehler einfach ignoriert. Gerade jetzt gibt es unzählige reguläre Promos und Sonderangebote, bei denen ihr genügend Zeit habt zu schauen, ob es überhaupt Flüge gibt, ob die Jahreszeit passt, ob die Lage ok ist, wie die Bewertungen ausfallen usw.

Und ganz zum Schluss müssen wir doch noch einmal an euer Gewissen appellieren: Gerade für kleine, familiäre Hotels sind Preisfehler und daraus resultierend hunderte Buchungen ein großes Problem. Die Buchungen blockieren viele Zimmer, die am Ende sowieso storniert werden, für den regulären Verkauf. Das Stornieren, der Kontakt zu den Kunden oder zum Vermittlungsportale kostet hohen personellen Aufwand. Nicht selten gibt es auch vertragliche Regelungen, die ab einer bestimmten STornoquote zum Nachteil für das Hotel werden können. Was also auf den Schnäppchenportalen zum Spaß erklärt wird, führt bei vielen Hotels schnell zum bitteren Ernst.

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