Urlaub trotz Corona – Was euch bis Ende des Jahres erwartet

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern werden aktuell erste Lockerungen angekündigt oder bereits umgesetzt. Dennoch sind sich alle Experten recht einig, dass unbeschränktes Reisen erst wieder möglich sein wird, wenn ein Impfstoff gegen das Covid 19-Virus gefunden und zugelassen ist. Aber selbst Optimisten rechnen damit nicht vor Ende des Jahres.

Wir schreiben das Jahr 2020 dennoch nicht als verlorenes Urlaubsjahr ab. Denn trotz der aktuell erst wieder verlängerten weltweiten Reisewarnung mehren sich die Anzeichen, dass ihr im Sommer doch noch ein paar mehr Optionen habt als den Kinderpool auf dem Balkon oder im Garten.

Stufe 1: Urlaub im eigenen Bundesland

Schon aktuell dürft ihr in vielen Bundesländern Tagesausflüge unternehmen, vor allem für Spaziergänge, zum Wandern, Radfahren oder sonstigen sportlichen Unternehmungen.

Lediglich Hotels und Ferienwohnungen dürfen noch nicht für touristische Aufenthalte gebucht werden. Lockierungen sind hier aber recht schnell zu erwarten, sollte die Ausbreitung des Coronavirus wie im Moment deutlich verlangsamt werden.

Mit viel Glück erlauben einzelne Regionen schon ab Mitte oder Ende Mai Unterkünfte wieder für Urlauber, spätestens ab Juni sollte es dann größtenteils wieder möglich sein, für ein langes Wochenende in die Umgebung oder zur eigenen Ferienwohnung zu fahren.

Natürlich werden auch dort dann weiterhin die Regeln gelten, die eine Ansteckung möglichst vermeiden sollen. Also keine Partys, Abstand halten, eventueller Mundschutz und häufiges, gründliches Händewaschen.

Stufe 2: Urlaub in Deutschland

Zwischen der ersten und zweiten Stufe stehen im Prinzip nur die Verordnungen einzelner Bundesländer, wie sie momentan zum Beispiel noch in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein gelten.

Erste Stimmen lassen allerdings darauf schließen, dass das Interesse der touristischen Betriebe vor Ort sehr hoch ist, zumindest die Sommerferiensaison noch zu retten.

Möglicherweise wird man bis dahin noch nicht wie gewohnt zum Frühstück oder Abendessen im Restaurant sitzen können. Auch für Spielplätze oder Bäder ist es recht wahrscheinlich, dass diese noch geschlossen bleiben oder nur stark eingeschränkt genutzt werden können.

Dennoch vermuten wir, dass Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, solange sie strenge Regeln zur Desinfektion und Abstand zwischen den Gästen sicher stellen können, bis dahin auch wieder Urlaubsgäste empfangen dürfen.

Plant ihr eine Reise innerhalb Deutschlands in den Sommerferien, müsst ihr bei Freigabe mit einer extrem hohen Nachfrage und vermutlich auch noch höheren Preisen als in den Vorjahren rechnen.

Deswegen lohnt es sich durchaus, jetzt schon einmal zu schauen und zuzuschlagen, wenn ihr eine Unterkunft mit gebührenfreier Stornierung findet. Zwar solltet ihr auch problemlos stornieren können, wenn es bis dahin in der betreffenden Region noch keine Freigabe gibt. Allerdings weigern sich die meisten Hoteliers und Betreiber von Ferienwohnungen, vorausbezahlte Kosten zu erstatten, sondern bestehen auf einen Gutschein oder Umbuchung zu einem späteren Termin.

Stufe 3: Urlaub in Nachbarländern

Aus Österreich kamen heute erste, wenn auch vorsichtige Stimmen, die eine Grenzöffnung für Urlaubsreisende aus Deutschland im Sommer in Aussicht stellen. Auch in der Schweiz macht man sich Gedanken, wie man nach der Lockerung wieder Reisende trotz hohem Schweizer Franken überzeugt.

Die Grenze zu den Niederlanden und nach Belgien ist nach wie vor offen, hier hängt es nur an der deutschen Reisewarnung und den Regeln für dortige Hotels. Nach Dänemark kommt ihr aktuell zwar noch nicht, dafür war das Land eines der ersten in Europa mit drastischen Lockerungen zum Beispiel für Kinder, die bereits seit einigen Tagen wieder in die Schulen dürfen.

Nach Schweden könnt ihr sogar noch regulär fliegen. Das Land ist bisher einen Sonderweg gegangen und nahezu ohne Einschränkungen ausgekommen. Zwar steigen die Zahlen dort aktuell recht schnell, dennoch rechnet man auch dort damit, dass Hotels und vor allem die beliebten Ferienhäuser im Sommer geöffnet sein werden.

Lediglich Polen und Tschechien werden nach aktuellem Stand über den Sommer hinaus tabu sein für deutsche Urlauber. Zwar ist es aktuell schwer vorstellbar, dass die sehr drastischen Einreisebeschränkungen bis August aufgehoben werden. Wenn aber in den übrigen europäischen Ländern der Reiseverkehr bis dahin wieder anrollt, könnte auch hier ein Umdenken stattfinden.

Ähnlich wie auch für Reisen innerhalb Deutschlands ist auch in unseren Nachbarländern mit stark erhöhter Nachfrage in den Sommerferien zu rechnen, zumal auch die Regierungen dort einen Urlaub im Heimatland stark bewerben. Solltet ihr schon ein Ziel vor Augen haben, schaut gezielt nach gebührenfrei stornierbaren Angeboten ohne Risiko.

Da bei Buchungen von Unterkünften vor Ort oft das lokale Recht gilt, wenn ihr diese nicht über einen deutschen Veranstalter bucht, solltet ihr die Stornierungsbedingungen genau unter die Lupe nehmen. Leider ist es über Ostern recht oft vorgekommen, dass Hotels im Ausland zwar geöffnet, aber für deutsche Reisende unerreichbar waren. Nicht selten fielen dann hohe Stornierungskosten an oder man hatte nur die Wahl auf einen späteren Termin umzubuchen.

Stufe 4: Urlaub im Mittelmeerraum

Mit Italien und Spanien sind zwei der bei Deutschen beliebtesten Reiseziele besonders stark vom Coronavirus betroffen. Zwar gibt es zumindest ein paar gute Neuigkeiten und erste leichte Lockerungen, trotzdem bezweifelt eine große Mehrheit der Experten hier wie dort, dass in den beiden Ländern eine Reise über den Sommer möglich ist.

Und selbst wenn einzelne, weniger stark betroffene Regionen wie Sardinien oder die Kanaren offen sein sollten, dürfte die Skepsis der Urlauber groß sein. Zumal das Vertrauen in das Gesundheitssystem Italiens und Spaniens stark gelitten hat, was besonders gefährlich wäre, sollte es zu einer nicht selten vorgersagten zweiten Coronawelle kommen.

Nicht viel besser sehen die Prognosen für Griechenland, oder die Türkei aus. Zwar ist der Tourismus dort noch wichtiger als Rückgrat der Wirtschaft, so dass eine Öffnung zum Sommer gar nicht so abwägig ist. Auch hier dürfte es aber eine Zeitlang dauern, bis das Vertrauen der Urlauber zurückkehrt.

Hinzu kommt noch, dass die meisten Ziele nur per Flieger sinnvoll zu erreichen sind. Sowohl die Fluggesellschaften als auch die meisten Reiseveranstalter sind in den letzten Wochen mit Stornierungen eher zum Nachteil ihrer Kunden umgegangen, trotz eindeutiger rechtlicher Regelungen. Deswegen ist Vorsicht angesagt bei der Buchung von Flügen und Reisen, bevor die Situation vor Ort so klar ist, dass man von einem entspannten Urlaub ausgehen kann.

Für weniger stark betroffene Länder wie Portugal, Malta, Zypern oder Südosteuropa lässt sich kaum eine Vorhersage treffen. Hier steht die Angst der einheimischen Bevölkerung vor der Ansteckungsgefahr durch Touristen den wirtschaftlichen Nachteilen einer Schließung über den Sommer gegenüber. Mit unklarem Ausgang. Selbst wenn die Uurlaubsgebiete dort geöffnet sind, muss man also damit rechnen, dass Einheimische einen großen Bogen machen.

Aus den genannten Gründen wird ein Sommerurlaub rund ums Mittelmeer dieses Jahr wohl nicht möglich sein. Aber die oben genannten Regionen bieten ja auch eine ganze Menge. Wenn ihr flexibel seid, verschiebt die Reise in den Herbst. Im September und Oktober habt ihr dort weiterhin überwiegend schönes Wetter und die Chancen stehen sehr gut, dass bis dahin nicht nur die Hotels wieder geöffnet sind, sondern dass ihr auch Restaurants und Bars besuchen könnt.

Stufe 5: Fernreisen

Gerade erst kommen die letzten Urlauber mit den Heimkehrerflügen aus aller Welt zurück, da wäre es natürlich vermessen, jetzt schon wieder mit der Planung zu beginnen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn glücklicherweise beginnt in vielen Fernzielen jetzt ohnehin die Neben- oder Regensaison, so dass auch ohne Einreisesperren die Nachfrage eher gering ist. Außerdem muss man wohl große Unterschiede von Land zu Land machen.

Viel hängt auch von den Fluggesellschaften ab. Innherhalb Europas werden Rynair und easyjet sobald wie möglich den Betrieb wieder aufnehmen und zumindest den Aussagen von Ryanairs oberstem Chef nach mit krassen Preisen die Nachfrage ankurbeln. Auf der Langstrecke lohnt sich der Betrieb oft erst mit einer gut gebuchten Business und First Class. Und aktuell ist noch schwer absehbar, welche Auswirkungen das Coronavirus auf den Geschäftsverkehr haben wird.

Vermutlich schon ab dem Sommer wird die USA wieder für die meisten europäischen Urlauber geöffnet sein. Zu dieser Jahreszeit wird ohnehin der eher weniger dicht besiedelte und betroffene Westen der USA mit den Nationalparks besucht. Die Ansteckungsgefahr lässt sich durch wenige Regeln für Hotels und Restaurants recht gut im Griff halten. Und nahezu alle Reisenden sind allein mit einem Mietwagen unterwegs. Ähnlich könnte die Situation in Kanada, aber auch in Australien oder Neuseeland aussehen.

Südostasien oder die Karibik werden wetterbedingt nur wenige vor Ende des Jahres besuchen wollen. Eine Prognose ist zudem recht schwierig, weil ähnlich wie in Südamerika viele Regelungen extrem kurzfristig und teilweise willkürlich und unsinnig erlassen wurden. Ähnliches ist bei der Aufhebung natürlich wieder zu erwarten. Für diese Länder raten wir nur erst einmal zur langfristigen Planung von Routen oder Sehenswürdigkeiten. Buchen lohnt erst, wenn zu hundert Prozent feststeht, dass ihr auch reisen könnt und zumindest davon auszugehen ist, dass die Fluggesellschaft noch fliegt und auch den Flugplan nicht noch einige Male ändert.

Fazit

Natürlich können wir keine Garantie für unseren „Fahrplan“ übernehmen. Sie spiegeln vielmehr unsere Erfahrungen und Erwartungen wider oder beinhalten aktuelle Entwicklungen und Aussagen aus den jeweiligen Reiseregionen.

Trotzdem möchten wir euch ermutigen, 2020 noch nicht als das Jahr ohne Urlaub abzuschreiben. Denn zum einen habt ihr die Chance, die vielen schönen Flecken bei euch um die Ecke anzuschauen. Zum anderen spricht vieles dafür, dass sich zumindest in der zweiten Hälfte des Jahres beginnt eine gewisse Rückkehr zur Normalität zu entwickeln.

Der Fahrplan im Überblick:

  • ab Mai: Urlaub im eigenen Bundesland
  • ab Juni: Urlaub in Deutschland
  • ab Juli: Urlaub in einigen Nachbarländern und den USA
  • ab September: Urlaub im Mittelmeerraum
  • ab November: Fernreisen weltweit

Beschleunigen könnte sich natürlich die Entwicklung massiv, sobald ein schneller und zuverlässiger Test zur Verfügung steht, der am Abflug- oder Zielflughafen gemacht werden kann. Die aktuellen Nachrichten hierzu sind ermutigend, die Dauer bis zum Ergebnis ist aber noch weit davon entfernt, realistische Flugbewegungen auf den meisten internationalen Airports abzudecken. Dennoch sehen wir flächendeckende Tests als einen wichtigen Schlüssel.

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