Japan mit dem Zug erleben: Alles Wissenswerte rund um Rail Pass und Shinkansen

Adventskalender 24/2020

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Neben der Schweiz gehört Japan sicherlich zu den Vorzeigeländern was die Nutzung und Effizienz des Bahnsystems betrifft. Schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts begannen Planung und Aufbau der ersten Strecken für den Schnellzug Shinkansen, der auf dem gleichnamigen exklusiv für ihn gebauten Hochgeschwindigkeitsnetz unterwegs ist.

Aber anders als zum Beispiel in Frankreich oder Spanien ist auch der Regionalverkehr in Japan modern, schnell und im dichten Takt unterwegs. Kein Wunder also, dass selbst organisierte Rundreisen oft mit dem Zug durchgeführt werden. Wer individuell unterwegs ist, nimmt ohnehin in der Regel die Bahn.

Dabei ist der Bahnverkehr alles andere als günstig. Eine Fahrt von Tokio nach Kyoto kostet umgerechnet bereits über 100€. Wer weiter in den Süden oder Norden möchte, zahlt mit Einzeltickets mehr als für den Flug von Deutschland nach Japan.

Deswegen bietet es sich fast immer an, einen der Bahnpässe zu kaufen, die die verschiedenen privatisierten Bahngesellschaften Japans anbieten. Es gibt sie sowohl im regionalen Bereich rund um besondere Attraktionen und Sehenswürdigkeiten als auch für das ganze Land.

Die regionalen Pässe erlauben oft neben den Zügen einiger oder aller Gesellschaften auch die Nutzung von Bussen, wo vorhanden auch Fähren oder Bergbahnen. Außerdem gibt es zudem oft noch Ermäßigung für Eintritte. Das bekannteste Beispiel ist sicher der Mount Fuji Pass oder die Alpin Route.

Die Tickets gibt es an Automaten oder Schaltern der beteiligten Bahngesellschaften, teilweise auch bei Touristeninformationen. Ihr solltet aber unbedingt vorher schauen, ob sich das Kombiticket gegenüber dem Kauf von Einzeltickets lohnt. Vor allem, wenn ihr schon einen Bahnpass habt, der einen Teil der Strecken abdeckt.

Grundgerüst der meisten Bahnrundreisen in Japan ist aber einer der JR Rail Pässe, die auf allen Strecken (nicht in allen Zügen!) der ehemaligen Staatsbahn gültig sind. Es gibt sie für 1 bis 3 Wochen, wobei die Tage am Stück gezählt werden und die Uhrzeit, nicht der Kalendertag maßgeblich ist. Unterschieden wird außerdem zwischen Normal (2. Klasse) und Green (1. Klasse).

GültigkeitNormalGreen (1. Klasse)
7 Tage236€315€
14 Tage375€509€
21 Tage480€662€

Wie zu sehen kostet 1 Woche kreuz und quer durch das Land gerade einmal 236€. Ausgeschlossen sind dabei nur die Züge der Kategorie Nozomi oder Mizuho. Selbst für 3 Wochen bleibt ihr noch unter 500€, was im Vergleich zu den Normalpreisen super günstig ist. Deshalb dürfen die Tickets auch nur von Ausländern gekauft werden, Japaner und Leute mit Wohnsitz in Japan bleiben außen vor. Der entsprechende Stempel im Reisepass wird bei Übergabe des Passes kontrolliert.

Deswegen könnt ihr zwar den Pass auch vorab bestellen online, ausgestellt wird er aber erst vor Ort. Ihr bekommt ihn aber auch an den internationalen Flughäfen des Landes, so dass ihr theoretisch schon ab der ersten Fahrt davon profitieren könnt.

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Wir empfehlen euch aber unbedingt, vorab wenigstens eine grobe Planung zu machen, damit ihr keine Tage des Passes verschenkt. Startet ihr eure Tour zum Beispiel in Tokio mit ein paar Tagen Sightseeing, benötigt ihr den Pass in der Zeit nicht wirklich. Die Bahnverbindung in die Stadt ist nicht allzu teuer und für die Stadt selbst braucht ihr in der Regel ohnehin einen Pass, der auch die U-Bahn enthält. Gleiches gilt auch für Kyoto und Umgebung, zumal einige Attraktionen besser mit Privatbahnen als der JR erreichbar sind und es wie oben erwähnt auch gute Regionalpässe gibt.

Habt ihr euch für den passenden Gültigkeitszeitraum entschieden, bleibt noch die Frage, ob Standard (2. Klasse) oder Green (1. Klasse). In der Green Class habt ihr mehr Platz, bequemere Sitze, in einigen wenigen Zügen auch Getränke oder Snacks. Der Hauptvorteil dürfte vor allem darin bestehen, dass ihr leichter einen Sitzplatz findet, da die Green Class gerade bei Pendlern weniger stark nachgefragt ist.

In der 2. Klasse gibt es in den meisten Zügen einen Großteil der Wagen mit Reservierungspflicht und einige (teilweise wenige) Wagen, in die ihr einfach so einsteigen und euch einen Platz aussuchen könnt. Welche Wagen ohne Reservierung sind, lässt sich aus den elektronischen Anzeigen entnehmen. Auf dem Bahnsteig sind Markierungen, so dass ihr euch richtig für euren Wagen positionieren könnt.

Vordrängeln ist im höflichen Japan verpöhnt, man steht wie markiert geduldig in Reihe an und wartet bis alle ausgestiegen sind. Wer zuerst an der Markierung steht, steigt auch zuerst ein. Zur Hauptverkehrszeit kann das den Unterschied machen, ob ihr stehen müsst oder sitzen könnt.

Wenn ihr vorab bereits wisst, welchen Zug ihr nehmen wollt, könnt ihr euch auch soweit noch verfügbar eine kostenlose Reservierung am Schalter abholen. Diese sind speziell gekennzeichnet. Ihr müsst lediglich euren Pass zeigen und den Zug bzw. die Richtung angeben. Platzwünsche wie „Fenster“ oder „Gang“ werden bei Verfügbarkeit erfüllt.

Für reservierungspflichtige Züge müsst ihr vorab reservieren. Erfahrungsgemäß solltet ihr das auch rechtzeitig tun. Wenn alle Plätze belegt sind, kommt ihr nicht mit, da es keine Stehplätze gibt. Und die meisten reservierungspflichtigen Züge sind dort unterwegs, wo die Taktzeiten eher dünn sind.

HyperDia ist die sicher beste Fahrplansuche für Japan. Neben den Zügen sind auch andere öffentliche Verkehrsmittel enthalten. Und – ganz wichtig – ihr könnt gezielt nach JR-Zügen filtern und die für den Rail Pass nicht erlaubten Nozomi- und Mizuho-Züge ausschließen.

Die Pünktlichkeit der japanischen Züge ist legendär und die Verspätung wird in Sekunden statt Minuten gemessen. Dennoch kommt es hin und wieder zu Abweichungen. Anschlusszüge warten dann in der Regel nicht außer bei speziellen Touristenzügen. Wir empfehlen bei knappen Anschlüssen nicht die letzte Verbindung des Tages zu wählen. HyperDia ist auch als App verfügbar und in Verbindung mit einer japanischen SIM-Karte enorm hilfreich.

Die kalkulierten Umsteigezeiten sind am absoluten Minimum orientiert und ihr solltet bei knappen Zeiten nicht automatisch damit rechnen, dass ihr den nächsten Zug erreicht, da sie eher für erfahrene Pendler gedacht sind. Die Bahnhöfe sind oft riesig, ihr müsst beim Betreten und teilweise Verlassen des inneren Bahnbereichs euren Pass am Schalter vorzeigen um durch die Sperre zu kommen. Teilweise liegen die Gleise über mehrere Ebenen verteilt.

Nehmt einfach einen Pendlerzug früher zum Bahnhof, um entspannt euren Shinkansen zu erreichen. Nicht selten sind die Vorortzüge zu Stoßzeiten auch so voll, dass ihr ein oder zwei Züge abwarten müsst, um mitzukommen.

Die Bahnhöfe und die Umgebung sind perfekt auf die täglichen Menschenmassen eingestellt. Es gibt unzählige Optionen, sich mit Snacks und Getränken für die Zugfahrt einzudecken. Die Preise sind dabei akzeptabel mal abgesehen von den Restaurants. In der Umgebung aller größeren Bahnhöfe findet ihr sowohl die berühmten Kapselhotels als auch normale Hotels in allen Preisklassen.

Es ist sicher spannend, mal eine Nacht in einer solchen Kapsel zu übernachten, auch um später zu Hause davon erzählen zu können. Aber schon bei zwei Personen liegt ihr oft mit einem einfachen Doppelzimmer im Hotel gleichauf oder günstiger, wenn ihr frühzeitig vorab bucht.

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